FBP Liechtenstein

Gründerjahre

Ein Blick in die düsteren Zwanziger Jahre – Vorgeschichte der Parteibildung

Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges warfen auch auf unser Land schwere Schatten mit wirtschaftlichen, politischen und sozialen Missständen. Hunger, Not und eine gravierende Arbeitslosigkeit wuchsen und mit ihnen auch die Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Schon vor den Kriegswirren waren viele Liechtensteiner gezwungen, ihren Lebensunterhalt als Saisonarbeiter im Ausland zu suchen. Die Arbeitslosigkeit, die kritische Ernährungslage sowie die bedrohliche Lage der Staatsfinanzen verstärkte die Krise während des Ersten Weltkrieges. Der Boden für politische Bewegungen oder Gruppierungen war gegeben.

Zu dieser Zeit standen unserem Land mit den Landesverwesern ausländische Regierungschefs vor und leiteten mit mehr oder weniger Erfolg das Geschick unseres Landes. Im Jahre 1918 wurde das direkte Wahlrecht eingeführt, welches vom Fürsten Johann II. aus eigener Initiative dem Volke gewährt wurde. Die Abgeordneten werden seither direkt vom Volke gewählt. Erst damit bestand die Möglichkeit der Entwicklung von Parteien. Die Abschichtung einer Gruppe von Abgeordneten um Dr. Wilhelm Beck wurde im Landtag in den Jahren 1914 bis 1918 augenfällig. Sie hob sich in ihrer politischen Gesinnung und staatspolitischen Ausrichtung stark von den übrigen Landtagsabgeordneten ab. Das Sprachrohr der neuen Gruppierung waren die „Oberrheinischen Nachrichten“, die 1914 von Dr. Wilhelm Beck gegründet und von ihm herausgegeben wurden.

Als politisches Gegengewicht fand sich in diesen Jahren hinter dem „Liechtensteiner Volksblatt“ ebenfalls eine Gruppierung von gleichgesinnten Personen, die ihre Ideen und politischen Ziele in loser Form vertraten.

Im Jahre 1918 wurde das direkte Wahlrecht eingeführt, welches vom Fürsten Johann II. aus eigener Initiative dem Volke gewährt wurde. Die Abgeordneten werden seither direkt vom Volke gewählt.

Das Jahr 1918

ging in der liechtensteinischen Geschichte als Jahr der Parteiengründung ein. Bedeutendster Grund dafür war die Einführung des direkten Wahlrechtes am 21. Januar 1918. Liechtenstein hat seit 1862 den Landtag als Volksvertretung, welcher bis 1918 indirekt gewählt wurde, wobei der Fürst bis zur Verfassung vom 5. Oktober 1921 drei Abgeordnete selbst bestellte.

Mit der Einführung des direkten Wahlsystems wurde nicht nur ein wichtiger Schritt Richtung eines Ausbaues der politischen Volksrechte getan, der Parteienbildung und -entwicklung wurden damit die Tore geöffnet.

Als Vorläufer der Parteien dürfen zuvor die Zeitungen benannt werden. Seit dem Bestehen des Liechtensteiner Volksblattes standen viele Gruppierungen von Leuten und Bevölkerungsschichten, die gemeinsame Ziele verfolgten und in etwa die gleiche politische Linie vertraten, dem „Liechtensteiner Volksblatt“ sehr nahe. Wenn dabei von einer Partei im heutigen Sinne noch nicht die Rede war, so vereinigte diese Zeitung doch viele Gleichgesinnte, die sich im Jahre 1918 zur Fortschrittlichen Bürgerpartei zusammenschlossen und eine politische Strömung darstellten. Zu diesem Zeitpunkt durfte das Liechtensteiner Volksblatt bereits auf eine 40-jährige Geschichte zurückblicken. Die erste Ausgabe des Liechtensteiner Volksblatt erschien am 16. August 1878.

Die eigentliche Parteibildung wurde im weiteren dadurch beschleunigt, dass im Jahre 1914 mit den „Oberrheinischen Nachrichten“ eine neue Zeitung erschien, die in Opposition zum lange bestehenden Volksblatt stand und später das Sprachrohr der ebenfalls im Jahre 1918 gegründeten Christlich-Sozialen Volkspartei wurde.

Mit ein Grund der Bildung von Parteien waren die Zeichen der Zeit, die unter keinem günstigen Stern standen, und auf Seite 1 geschildert wurden. Vieles im Lande war reformbedürftig geworden, und der Ruf nach Neuerungen wurde immer lauter. Als in dieser schweren Zeit hauptsächlich Männer aus dem Oberland die Fortschrittliche Bürgerpartei gründeten, um das Schicksal Liechtensteins und seiner Menschen zielgerecht mitzubestimmen, konnte wohl niemand das Bild unseres Staates 70 Jahre später auch nur im entferntesten erahnen. Genau so, wie es heute Mühe macht, sich in jene Epoche zurückzuversetzen, die diese Männer zu bewältigen hatten, und überhaupt zu begreifen, wie arm und zerbrechlich unser Land damals war.

Die Geburtsstunde der Fortschrittlichen Bürgerpartei

nahte somit und wurde im Grundsatzprogramm in verschiedenen Sitzungen und Zusammenkünften von damaligen Persönlichkeiten behutsam vorbereitet. Die Anhänger kamen vorwiegend aus bäuerlichen und bürgerlichen Kreisen.

Die an der Gründungsversammlung beschlossene Parteibezeichnung und das Parteiprogramm beweisen, dass die Notwendigkeit von Reformen erkannt und gefordert wurde. Wenn bis zu dieser Zeit der vom Monarchen bestellte Landesverweser und dessen Beamte die politisch entscheidende Rolle im Lande spielten, war die Ernennung des Regierungschefs (Landesverweser) aus den Reihen der Staatsbürger eine der politischen Forderungen der Bürgerpartei. Die Stärkung der Volksrechte, zahlreiche Zusammenkünfte des Landtages zur Bewältigung der vielen anstehenden Probleme sowie die Förderung der sozialen Gesetzgebung zum Wohle der Arbeiterschaft waren weitere Hauptakzente der neuen Partei.